Einspeisebegrenzung 60 % · Ratgeber

60-%-Regel umgehen? Was den Verlust wirklich senkt

Abschalten lässt sich die Grenze nur auf einem zulässigen Weg. Den Verlust senken können Sie schon vorher, ohne die Pflicht zur Begrenzung anzutasten: mit der richtigen Art der Begrenzung, einem Speicher, der zur richtigen Zeit lädt, und Verbrauchern, die mittags laufen. Wie viel jeder Hebel bringt, zeigen die Zahlen aus unserem Rechner.

Kurz gefasst

Lässt sich die 60-%-Regel legal umgehen?

Nur in dem Sinn, dass sie endet. §9 Abs. 2 EEG verlangt die Begrenzung auf 60 % der installierten Leistung bis zum Einbau eines intelligenten Messsystems mit Steuerungseinrichtung und bis zur ersten erfolgreichen Testung durch den Netzbetreiber. Anlagen mit mehr als 7 kW gehören zu den Pflichteinbaufällen für ein solches Messsystem (§29 Abs. 1 Nr. 2 MsbG). Nach Einbau und Testung entfällt die feste Grenze, und die Anlage ist für den Netzbetreiber steuerbar: Über die Steuerbox kann er die Einspeisung bei Bedarf auf 60 %, 30 % oder 0 % senken. Wann das Messsystem kommt und wie Sie den Einbau beschleunigen, erklärt unsere Schwesterseite 9eeg.de: Die 60-Prozent-Regel.

Alle anderen Wege auf dieser Seite sind zulässig, weil sie die Begrenzung einhalten und nur weniger Strom an ihr verlieren. Die Begrenzung einfach wegzulassen oder auszuhebeln, ist dagegen kein Weg: Sie ist eine Pflicht des Anlagenbetreibers. Sie gilt für Anlagen unter 100 kW mit Einspeisevergütung oder Mieterstromzuschlag, die ab dem 25. Februar 2025 in Betrieb gegangen sind. Steckersolargeräte bis 2 kW und 800 VA sind ausgenommen, ebenso Anlagen mit Inbetriebnahme vom 01.01.2023 bis 24.02.2025 (§100 Abs. 3b EEG). Die Einzelheiten stehen auf der Rechnerseite unter „Wann gilt die 60-%-Grenze?“.

Kehrseite des Messsystems Ab dem Jahr nach dem Einbau gilt für diese Anlagen auch die Regel zu negativen Preisen (§51 EEG): In Viertelstunden mit negativem Spotmarktpreis sinkt die Vergütung auf null. Die ausgefallene Zeit wird nach §51a EEG am Ende des Förderzeitraums angehängt, bei Solaranlagen mit dem Faktor 0,5. Mehr dazu auf 9eeg.de: Solarspitzengesetz.

Wie viel kostet die Grenze überhaupt?

Das hängt vor allem an der Ausrichtung. Ohne Eigenverbrauch kappt die 60-%-Grenze im Bundesmittel bei Süd-Dächern mit 21 bis 40 Grad Neigung 4,6–10,5 % der Jahreserzeugung, bei Ost-West-Dächern 0,1–1,3 % (Wetterjahr 2019). Die Zahlen stammen aus unserer eigenen Modellrechnung mit PVGIS-Stundenwerten und 27 gemessenen Haushalten; die Spanne reicht von der reinen Stundenrechnung bis zur an Minutenmesswerten kalibrierten Obergrenze. Der Rechenweg steht unter Methodik und Validierung. Mit Eigenverbrauch sinkt der Verlust: Bei einer 10-kWp-Anlage mit 4.000 kWh Haushaltsstrom sind es nach Süden 2,5–8,3 %, nach Ost-West 0,0–0,8 %.

Die Werte je Bundesland stehen in der Tabelle je Region, für Ihr eigenes Dach rechnet der Rechner zur Einspeisebegrenzung.

Hebel 1: Die Einspeisung am Netzanschlusspunkt begrenzen

Wie die 60 % umgesetzt werden, entscheidet über einen großen Teil des Verlusts. Die FAQ des VDE FNN zur VDE-AR-N 4105:2026 (Frage 5.7.4.1) nennt drei zulässige Wege bis zum 01.03.2028: zwei mit zertifizierter Überwachung der Einspeisung (PAV,E-Schutz oder PAV,E-Überwachung) und eine dauerhafte Reduzierung der Wirkleistung am Wechselrichter. Für Ihren Ertrag ist das ein großer Unterschied:

Fragen Sie Ihren Installationsbetrieb, welche Variante bei Ihnen umgesetzt ist. Der Rechner zeigt beide nebeneinander. Hebel 3 wirkt nur, wenn am Netzanschlusspunkt begrenzt wird.

Hebel 2: Den Speicher erst zur Mittagsspitze laden

Ein Batteriespeicher lädt üblicherweise, sobald Überschuss da ist. An den sonnigen Tagen, an denen die 60-%-Grenze greift, ist er dann oft schon vor Mittag voll und fängt die Spitze kaum auf. Lädt er prognosebasiert, hält er Platz für die Mittagsstunden frei. Im Beispiel (10 kWp Süd, 4.000 kWh Haushaltsstrom, Begrenzung am Netzanschlusspunkt, Bundesmittel):

Fallgekappter Anteil der Jahreserzeugung
ohne Speicher2,5–8,3 %
10-kWh-Speicher, lädt sofort2,4–8,0 %
10-kWh-Speicher, lädt prognosebasiert0,2–3,6 %

Diesen Effekt hat die HTW Berlin schon 2013 beschrieben (Weniger/Quaschning). Ob und wie sich die Ladestrategie einstellen lässt, hängt vom Speichersystem ab; die Bezeichnung unterscheidet sich je Hersteller. Im Rechner finden Sie die prognosebasierte Ladung unter „Annahmen zum Speicher“.

Verbreiteter Irrtum „Ein größerer Speicher löst das Problem.“ Größe allein hilft wenig, wenn der Speicher mittags schon voll ist. Entscheidend ist, wann er lädt. Mehr zum Speicher bei Nulleinspeisung, wo er tatsächlich viel bringt, unter Mit oder ohne Speicher?

Hebel 3: Große Verbraucher in die Mittagsstunden legen

Wallbox, Wärmepumpe und Heizstab können Strom genau dann aufnehmen, wenn die Anlage über der Grenze liegt. Bei der Begrenzung am Netzanschlusspunkt wird dieser Strom dann nicht gekappt, sondern genutzt. Wie viel das bei Ihnen ausmacht, hängt davon ab, wie viel Energie diese Verbraucher mittags aufnehmen können. Der Rechner zeigt es unter „Überschuss in Wallbox, Wärmepumpe und Heizstab lenken“. Damit die Verbraucher im richtigen Moment laufen, schaltet sie ein Energiemanagementsystem automatisch; wie das funktioniert, steht unter Eigenverbrauch statt Drosseln.

Hebel 4: Bei der Planung an die Ausrichtung denken

Wer noch plant, kann den Verlust über die Ausrichtung beeinflussen. Ost-West-Dächer verteilen die Erzeugung über den Tag und erreichen die Grenze nur selten: Im Bundesmittel kappt sie dort ohne Eigenverbrauch 0,1–1,3 %, bei Süd-Dächern 4,6–10,5 %. Weniger Spitze heißt allerdings auch weniger Mittagsertrag. Ob sich das für Sie rechnet, hängt von Dach und Verbrauch ab; beide Ausrichtungen lassen sich im Rechner vergleichen.

Kommt bald 50 % statt 60 %?

Entwurf, nicht beschlossen · Stand 15.10.2026
Der Regierungsentwurf zum EEG 2027 (Drucksache 21/7867) sieht in §9 Abs. 2b für neue Solaranlagen unter 100 kW eine dauerhafte Grenze von 50 % vor, unabhängig vom intelligenten Messsystem und von der Vermarktungsform. Laut Begründung gilt sie nicht für Nulleinspeiseanlagen. Käme die Regel in dieser Form, ließe sie sich für neue Anlagen auch mit Messsystem nicht mehr aufheben; die Hebel 1 bis 4 würden dann noch wichtiger. Solange das Gesetz nicht im Bundesgesetzblatt steht, rechnet diese Seite nicht mit 50 %. Mehr zur Einspeisebegrenzung auf 9eeg.de.

Häufige Fragen

Kann man die 60-%-Regel legal umgehen?
Aufheben lässt sie sich nur durch den Einbau eines intelligenten Messsystems mit Steuerungseinrichtung und die erste erfolgreiche Testung durch den Netzbetreiber (§9 Abs. 2 EEG). Bis dahin lässt sich nur der Verlust senken: mit der Begrenzung am Netzanschlusspunkt statt fest am Wechselrichter, einem Speicher, der erst zur Mittagsspitze lädt, und Verbrauchern, die mittags laufen.
Hilft ein größerer Speicher gegen die 60-%-Grenze?
Kaum, solange er lädt, sobald Überschuss da ist. Im Beispiel (10 kWp Süd, 4.000 kWh Haushaltsstrom) sinkt der gekappte Anteil mit einem sofort ladenden 10-kWh-Speicher nur von 2,5–8,3 % auf 2,4–8,0 %. Lädt derselbe Speicher prognosebasiert erst zur Mittagsspitze, sind es 0,2–3,6 %.
Wie viel kostet die 60-%-Regel bei einem Ost-West-Dach?
Wenig. Ohne Eigenverbrauch kappt sie im Bundesmittel bei Ost-West-Dächern mit 21 bis 40 Grad Neigung 0,1 bis 1,3 % der Jahreserzeugung, bei Süd-Dächern 4,6 bis 10,5 % (Wetterjahr 2019).
Was ändert sich, wenn das intelligente Messsystem eingebaut ist?
Nach erfolgreicher Testung endet die 60-%-Grenze, und die Anlage ist für den Netzbetreiber steuerbar. Ab dem Jahr nach dem Einbau gilt für Anlagen unter 100 kW außerdem die Regel zu negativen Preisen: In Viertelstunden mit negativem Spotmarktpreis sinkt die Vergütung auf null; diese Zeit wird nach §51a EEG am Ende des Förderzeitraums angehängt, bei Solaranlagen mit dem Faktor 0,5.
In eigener Sache · Angebot des Betreibers dieser Seite

Mittagsspitze nutzen statt kappen

Die Einspeisebegrenzung selbst übernimmt weiterhin Ihr Wechselrichter oder ein externer Regler. Das Soluxion HEMS Plus setzt davor an: Es lässt große Verbraucher wie Wallbox, Wärmepumpe und über smarte Schalter auch einen Heizstab in den Sonnenstunden laufen und stimmt E-Auto und Hausbatterie aufeinander ab; Laden und Entladen regelt in der Regel die Batterie selbst. So nehmen gesteuerte Lasten einen Teil dessen auf, was sonst gekappt würde. Die Vorgaben zur Steuerbarkeit nach §14a EnWG und §9 EEG erfüllt es ab Werk: vorkonfiguriert und angebunden an die Steuerbox Ihres Netzbetreibers. Auf Basis der Open-Source-Software evcc, mit über 800 unterstützten Geräten, lokal und ohne Cloud-Zwang. Die 60-%-Grenze selbst entfällt erst mit intelligentem Messsystem und Steuerungseinrichtung.

Quellen

Allgemeine Information ohne Gewähr, keine Rechts- oder Fachberatung. Rechtsstand: 15.10.2026. Welche Variante der Begrenzung bei Ihnen zulässig und umgesetzt ist, klären Sie mit Ihrem Installationsbetrieb und Netzbetreiber.